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Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen e.V.
Postfach 1268
64825 Babenhausen

 

Kontakt:

Email: hgvbabenhausen(at)aol(punkt)de

 

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Kunsthistorische Exkursion

Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Babenhausen e.V. lädt ein zu einer schlesisch-/polnischen kunsthistorischen Exkursion vom 14. Juli (Sonntag) bis 19. Juli 2019. Eine Mitgliedschaft im HGV ist nicht erforderlich. Die Fahrt wird vom Omnibusunternehmen Spahn & Roth Schaafheim durchgeführt. Die Organisation der Fahrt seitens des Geschichtsvereins hat Reinhard Rupprecht. Kosten: 620€ pro Person im Doppelzimmer – Einzelzimmerzuschlag: 150€ Anmeldung: ab sofort schriftlich unter hgvbabenhausen@aol.de oder per Post an Reinhard Rupprecht, Finkenweg 2, 64832 Babenhausen. Anzahlung: 100€ auf das Reise-Konto bei der Sparkasse Dieburg IBAN: DE40508526510160016796. Die Anmeldung ist erst gültig, wenn die Anzahlung auf dem Konto verbucht ist. Restzahlung ist bis zum 1. Juni 2019 vorzunehmen. Bei Stornierung der Teilnahme werden ab dem 2. Juni Stornogebühren fällig. Reiseprogramm: 5x Übernachtung mit Frühstück in verschiedenen Hotels, 5 x Abendessen ohne Getränke. Stadtführung Breslau: Führung und Eintritte Kathedrale, Aula Leopoldina. Stadtführung Krakau, Marktplatz, Tuchhallen, Kathedrale auf dem Wawel Hügel (ohne Königsgräber). Königsschloss Wawel (königliche Gemächer, Schlossführund. Besichtigung des Klosters Jasna Gora in Tschenstochau Geplant: Abendessen mit Klezmer-Musik in einem Restaurant im jüdischen Viertel Kazimierz in Krakau. Für Rückfragen steht unser 2. Vors. Reinhard Rupprecht (T: 06073/62522) zur Verfügung

 

 

 
Kunststoff bewegt
 
Sonderausstellung und Blick hinter die Kulissen der Continental in Babenhausen
 
 
Babenhausen. Mit zwei Aktionen beteiligt sich auch diesmal der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Babenhausen an der „2. Woche der Kunststoffstraße im Kreis Darmstadt-Dieburg“ im Oktober 2018: mit einer Sonderausstellung im Territorialmuseum und mit einer Werksbesichtigung der Continental, ehemals als VDO gegründet.
 
Unter dem Titel „Kunststoff bewegt – Die Zukunft in Bewegung“ wird in einer Sonderausstellung im Territorialmuseum, Amtsgasse 32, die Continental AG ihre Produktionsprozesse vom Granulat bis hin zur montierten Baugruppe vorstellen. Diese Ausstellung ist ein Rückblick und zugleich ein Blick in die Zukunft des Standortes und der Produkte. Die Eröffnung findet am Freitag, 19. Oktober, um 17 Uhr statt. Dabei wird Dr. Olaf Pannenbäcker von der Continental die einleitenden Worte sprechen. Die Ausstellung ist danach jeweils zu den Öffnungszeiten des Museums bis zum 3. Februar 2019 zu besichtigen. Das Unternehmen hat am Standort Babenhausen rund 3.300 Mitarbeiter.
 
Die Werksbesichtigung der Continental findet am Mittwoch, 24. Oktober, um 15.30 Uhr statt. Nach den Sicherheitsrichtlinien des Werkes ist eine Teilnahme nur nach Voranmeldung bis zum 10. Oktober möglich. Auch ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Ferner ist eine Absage notwendig. Der HGV empfiehlt, bei der Werksbesichtigung den Personalausweis mitzunehmen.
 
Die Anmeldungen zur Werksbesichtigung nimmt der HGV nur per E-Mail unter hgvbabenhausen@aol.de entgegen. Dazu werden Name, Vorname und Geburtsdatum benötigt. Diese Angaben werden an die Firma Continental weiter gemeldet. Zusätzlich wird empfohlen, bei der Anmeldung auch eine Telefonnummer mitzuteilen. Diese dient dem Geschichtsverein lediglich dazu, Änderungen im Organisationsablauf kurzfristig weiter zu geben.
 
 

Markante Bäume und Sanddünen

Beim Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen: Naturdenkmale in Wort und Bild

 

 

Babenhausen. Bemerkenswerten Einzelschöpfungen der Natur wie die „Schöne Eiche“ sowie Lebensräumen mit einer seltenen Tier- und Pflanzenwelt hat der Gesetzgeber einen besonderen Schutzstatus verliehen: das Naturdenkmal. In einem Lichtbildervortrag wird Dr. Horst Bathon am Mittwoch, 1. Juni, bei Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen über diese Naturdenkmale im Kreis Darmstadt-Dieburg berichten.

 

Durch die menschliche Nutzung sind viele Pflanzen, Tiere und Lebensräume vom Aussterben oder von Zerstörung bedroht. Um dies zu verhindern, wurden in der Naturschutzgesetzgebung unterschiedliche Schutzkategorien entwickelt. Zum einen handelt es sich dabei um den Artenschutz, zum anderen um den Schutz verschieden großer (Naturschutz-)Gebiete oder auch um Einzelschöpfungen der Natur, so beispielsweise alte markante Bäume, geologische Aufschlüsse, Flugsand-Dünen, aber auch kleinere Feuchtgebiete und Hohlwege. Diese können als Naturdenkmale ausgewiesen und erhalten werden.

 

Erstmals in den Jahren 1983 bis 1986 wurden alle Naturdenkmale des Kreises Darmstadt-Dieburg erfasst und schließlich in einem Buch der Öffentlichkeit vorgestellt. Seither gab es viele gesetzliche Änderungen und manch unter Schutz stehender Baum brach gar durch Stürme zusammen oder musste aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden. Andererseits konnten auch einige Kleingebiete durch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises neu ausgewiesen werden. Standen 1986 noch 157 Naturdenkmale des Kreises unter Schutz, so waren es 2015 nur noch 50.

 

So war es an der Zeit, den Bestand an Naturdenkmalen im Kreis erneut zu überprüfen. Derzeit ist eine zweite völlig veränderte Auflage im Druck. Bathon wird die Besonderheiten in Wort und Bild aufzeigen. Der Vortrag am 1. Juni beginnt um 19 Uhr im Bürgerzentrum Stadtmühle. Der Eintritt ist frei. (wi)

Das Museum wird mit einem Lapidarium bereichert

 

Mit guten Nachrichten im Gepäck besuchte am vergangenen Donnerstag Landrat Klaus Peter Schellhaas das Babenhäuser Territorialmuseum. Mitgebracht hatte Schellhaas, der an diesem Tag Babenhausen bereiste, nicht nur einige Mitarbeiter der Kreisverwaltung, sondern auch einen Zuwendungsbescheid von rund 20.000 Euro für die Erstellung eines Lapidariums.

 

Ein Lapidarium, also die Sammlung von Steinwerken, wie Grabsteine und Grabplatten, aber auch Grenz- und Markierungssteine, wird ab dem Spätsommer auf dem Außengelände des Museums zu sehen sein. Einige Ausstellungsstücke des Lapidariums stammen aus der evangelischen Stadtkirche, für die es nach der dortigen Renovierung keinen Platz mehr gab. Sie wurden zunächst im Bauhof untergebracht und kamen dann zur Firma Aumann. Jetzt befinden sich die Steine auf dem Betriebsgelände des Steinmetzmeisters Franz-Josef Becker in Harreshausen. Er und sein Team werden nun die Steine säubern, und so gut es geht wiederherstellen. Keine leichte Aufgabe, denn die Steine sind bis zu 500 Jahre alt.

 

Das Investitionsvolumen von ca. 46.000 Euro wird zur Hälfte durch das sogenannte Leader-Programm gefördert (Förderung der ländlichen Entwicklung in Hessen). Die andere Hälfte bringt die Aumann Stiftung ein, die auch die umfassende Sanierung des ehemaligen Amtshauses,  aus dem Jahr 1555, in so vorbildlicher Art und Weise vorgenommen hat. Gefördert werden die Restaurierung der Grabsteine, die Gestaltung der Aussenanlage und die Beschilderung zur Erläuterung der Exponate.

 

Bei der kleinen Feierstunde bedankte sich Dieter Aumann bei Klaus Peter Schellhaas für die Förderung und ging auf die bevorstehenden Maßnahmen ein, die eine bedeutsame Bereicherung und Ergänzung des Territorialmuseums darstellen. Lapis, das lateinische Wort für Stein ist Namensgeber des Lapidariums und Aumann führte aus: „In der Menschheitsgeschichte haben Steine eine besondere Bedeutung. Die Steinzeit dauerte über eine Million Jahre, Steine dienten nicht nur als Werkzeuge, sie sind auch Kultgegenstände.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Tempelanlagen im alten Ägypten und auf das englische Stonehenge.

 

Das Gebäude in welchem das Territorialmuseum untergebracht ist, wurde 2009 von Dieter Aumann erworben. Nach Gründung der Stiftung im Jahr 2010 wurde die umfassende Sanierung des ehemaligen Amtshauses vorgenommen. Die Eröffnung des Museums konnte am 30. März 2014 gefeiert werden. Mittlerweile wurde das Museum mit mehreren Preisen wie der „Deutsche Fachwerkpreis“ und dem „Hessischen Denkmalschutzpreis“ ausgezeichnet.

 

Die Verbundenheit von Dieter Aumann mit seiner Heimatstadt, und sein Herzblut, welches er in die Sanierung und Gestaltung des Museums einbrachte, sind ein wahrer Glücksfall für Babenhausen. Durch diese Leidenschaft ist Babenhausen um ein kulturhistorisches Angebot reicher geworden. Dank der inhaltlichen Ausstellungsschwerpunkte, des Territoriums Hanau-Lichtenberg, hat dies sogar eine überregionale Bedeutung und zeigt Babenhausen von einer seiner schönsten Seiten.

 

 

Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen

 

 

S a t z u n g

 

§ 1 Name und Sitz des Vereins

Der Verein trägt den Namen „Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen“.  Er soll in das Vereinsregister eingetragen werden und trägt alsdann den Namen „Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen e. V.“ Der Sitz des Vereins ist Babenhausen.

 

§ 2 Zweck des Vereins

Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „steuerbegünstigte Zwecke“, §§ 51 ff AO (1977).

Der Verein fördert die Heimatpflege und Erforschung der Geschichte der Stadt Babenhausen. Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch: Mitwirkung bei der Gestaltung und Erhaltung des Stadt- und Landschaftsbildes, Förderung eines Heimatmuseums, Durchführung von Ausstellungen, Organisation von Führungen, Vorträgen und Tagungen, Anlegen eines Bildarchivs und einer Bibliothek, Zusammentragen und Pflege von heimatkundlichen und vorgeschichtlichen Funden, Pflege der Mundart und Herausgabe von Publikationen, Förderung der Partnerschaften mit Bouxwiller und Lichtentanne. Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. Mittel des Vereins dürfen nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Gewinnanteile und in ihrer Eigenschaft als Mitglieder auch keine sonstigen Zuwendungen aus Mitteln des Vereins. Mitglieder können eine Aufwandsentschädigung für ihre Tätigkeit erhalten. Näheres regelt ein Vorstandsbeschluss. Es darf keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck des Vereins fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden. Bei Auflösung oder Aufhebung des Vereins oder bei Wegfall seines steuerbegünstigten Zweckes fällt das Vermögen des Vereins an die Stadt Babenhausen, die es unmittelbar und ausschließlich für gemeinnützige Zwecke im Sinne dieser Satzung zu verwenden hat.

 

§ 3 Mitgliedschaft

Mitglied des Vereins kann jede natürliche oder juristische Person sein. Über den schriftlichen Aufnahmeantrag entscheidet der Vorstand.

Der Austritt aus dem Verein ist zum Ende eines Kalenderjahres jederzeit zulässig. Er erfolgt durch eine schriftliche Erklärung gegenüber dem Vor

stand. Ein Mitglied kann bei fortgesetzter Schädigung der Interessen des Vereins durch Beschluss der Mitgliederversammlung ausgeschlossen werden. Kommt ein Mitglied seiner Beitragspflicht trotz zweimaliger schriftlicher Mahnung nicht nach, so entscheidet der Vorstand über seinen Ausschluss.

 

§ 4 Beitrag

Der von den Mitgliedern zu entrichtende Beitrag wird von der Mitgliederversammlung festgesetzt.

 

§ 5 Vorstand

Der Vorstand besteht aus dem ersten Vorsitzenden, dem zweiten Vorsitzenden, dem Schriftführer und dem Rechner. Zur Vertretung des Vereins gem. 26 BGB sind der erste oder der zweite Vorsitzende mit jeweils einem anderen Mitglied des Vorstandes berechtigt. Die Mitglieder des Vorstandes müssen Vereinsmitglieder sein. Der Vorstand wird von der Mitgliederversammlung auf die Dauer von zwei Jahren gewählt. Er bleibt jedoch auch nach Ablauf dieser Amtszeit bis zur Neuwahl des Vorstandes im Amt. Zur Unterstützung des Vorstandes kann die Mitgliederversammlung Beisitzer des Vorstandes bestellen. Die Rechnungsführung des Vereins wird durch zwei Rechnungsprüfer, die nicht dem Vorstand angehören dürfen und Vereinsmitglieder sein müssen, überprüft. Die Rechnungsprüfer werden von der Mitgliederversammlung auf die Dauer von zwei Jahren gewählt.

 

§ 6 Die Mitgliederversammlung

Die ordentliche Mitgliederversammlung findet jährlich, möglichst im ersten Kalendervierteljahr statt. Außerdem ist eine Mitgliederversammlung einzuberufen, wenn das Interesse des Vereins es erfordert oder wenn die Einberufung von einem zehnten Teil der Mitglieder schriftlich und unter Angabe der Gründe verlangt wird. Jede Mitgliederversammlung wird vom ersten Vorsitzenden oder vom zweiten Vorsitzenden unter Einhaltung einer Ladungsfrist von zwei Wochen durch Veröffentlichung in der „Babenhäuser Zeitung“ oder schriftlich einberufen. Dabei ist die vom Vorstand festgesetzte Tagesordnung mitzuteilen.

 

Eine Ergänzung in die jetzige Form erfolgte in der Mitgliederversammlung vom 17. März 2016.

 

Eine Änderung der Satzung in die jetzige Form erfolgte in der Mitgliederversammlung vom 14. März 2014.

 

Die ursprüngliche Satzung war in der Mitgliederversammlung vom 13. März 1980 errichtet worden.

Erste Denkmalplakette in Babenhausen für das Territorialmuseum

Im Spätherbst des vergangenen Jahres hat das Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Wiesbaden zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen eine Denkmalplakette aufgelegt. Diese Plakette darf an Denkmalen befestigt werden, die in dem vom Landesamt für Denkmalpflege geführten Denkmalbuch enthalten sind.

Noch im alten Jahr hat Museumsmitarbeiter Joachim Heizmann diese Denkmalplakette am dem Haus Amtsgasse 32, in dem sich seit dem 30. März 2014 das Territorialmuseum befindet, angebracht. Sie ist die erste Plakette an einem Denkmal in Babenhausen.
Mit dieser Plakette im Format einer Hausnummer, die den hessischen Löwen sowie unter anderem die Aufschrift „Kulturdenkmal“ trägt, soll auf den ersten Blick ein Denkmal kenntlich gemacht werden. Das Haus Amtsgasse 32, ein ehemaliges Amtshaus der Gaylinge von Altheim, ist nach langem Leerstand ein Schmuckstück geworden. Saniert und eingerichtet durch eine gemeinnützige Stiftung ist in dem Haus das Territorialmuseum untergebracht, Auf drei Ebenen wird durch fast vierzig Erzählstationen die Geschichte des Territoriums von Hanau-Lichtenberg lebendig. In den einzelnen Abteilungen werden die dynamischen Entwicklungen in unserer Kulturlandschaft deutlich.
Das Museum ist im ersten Jahr seines Bestehen mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnete worden. Im vergangenen Jahr erhielt es den Deutschen Fachwerkpreis. Der Deutsche Museumsbund wies zum Jahresende mit Stolz auf die Museen hin, die als weit verzweigtes Kulturnetz die Regionen prägen: „Museen bilden Veränderungen ab. Sie schützen, bewahren und präsentieren kulturelle Ausdrucksformen, Bilder und Geschichte und machen auf diese Weise kulturelle Identität und Diversität erfahrbar und sichtbar.“
Im Jahre 2015 haben nach Angaben von Georg Wittenberger, Vorsitzender des Geschichtsvereins, knapp 1300 Besucher das Territorialmuseum besucht. Neben Einzelpersonen waren dies auch 28 Gruppen, angefangen von Vereinen und Verbänden über Babenhäuser Schulklassen im Rahmen ihres Unterrichts, zwei Konfirmandengruppen mit Pfarrer Fuchs, die ihr Erlerntes im „Reformationsraum“ des Museums vertieften, bis hin zu zwei Gruppen von Teilnehmern der Ferienspiele der Stadt, die mit Begeisterung eine Museumsrallye absolvierten. Das Territorialmuseum hat an vier Tagen in der Woche geöffnet und wird ehrenamtlich von den Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins betrieben. Für den Januar haben sich wiederum Babenhäuser Schulklassen angemeldet.  wi

 

Ria Fischer nach der Verleihung des Hessischen Archivpreises 2007 während ihrer Dankesrede. Archivfoto: Georg Wittenberger

„Gedächtnis der Stadt“ lebt nicht mehr

Nachruf: Ria Fischer im Alter von 90 Jahren gestorben

 

Das „Gedächtnis der Stadt“ hat für immer die Augen geschlossen. Einige Wochen nach ihrem 90. Geburtstag, am 20. November 2015, ist Ria Fischer, Ehrenbürgerin der Stadt Babenhausen, gestorben. Damit habe der Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen, wie es in dessen Nachruf heißt, eines seiner profiliertesten Gründungsmitglieder verloren. Als Ur-Babenhäuserin und aufmerksame Zeitzeugin kannte sie nicht nur die „offizielle“ Historie, sondern auch die vielfältigen Alltagsgeschichten der Menschen. Mit zahlreichen Publikationen und kurzweiligen Beiträgen hat Ria Fischer immer wieder die erlebte Geschichte den Menschen der Stadt nahegebracht.

 

Ria Fischer wurde an einem Kerbmontag, am 21. September 1925, als Maria Rose geboren. Doch von Jugend an hat man sie nur „Ria“ genannt. Sie wuchs mitten in der Altstadt, in der Fahrstraße 18, auf. Und sie hat als Jugendliche die dunklen Zeiten Deutschlands hautnah miterlebt. Im Krieg absolvierte sie eine kaufmännische Lehre bei der Druckerei Georg Krapp V.. Als 1943 die Privatunternehmen Angestellte für die Rüstungsindustrie abgeben mussten, begannen neue Verpflichtungen für sie. Zunächst war sie in die Tonwarenfabrik Dieburg und wenig später zur Lufthauptmunitionsanstalt in Münster abkommandiert. Nach einiger Zeit wurde Ria Rose durch einen Ringtausch ins Rathaus Babenhausen als erste weibliche Sekretärin zur persönlichen Unterstützung von Bürgermeister Fritz Klein versetzt.

 

Mit knapp 20 Jahren erlebte sie am 25. März 1945 den „D-Day in Babenhausen“, wie sie einmal berichtete. Damals habe sie erfahren, wie sich Menschen verändern können, denen es vorher gut und dann schlecht ging und umgekehrt. 1946 schied sie aus städtischen Diensten aus und arbeitete bis nach der Währungsreform als Sekretärin bei der Genossenschaft für Obst und Gemüse. Sie half ihrer Mutter, den Haushaltswarenladen an der Fahrstraße wieder aufzubauen. Später brachte sie den amerikanischen Soldaten in der Kaserne Deutsch bei. Dafür wurde sie 2002 von den Amerikanern anlässlich eines Thanksgivingfestes besonders geehrt.

 

Im November 1952 heiratete Ria Rose ihren Jakob Fischer, der Ende August diesen Jahres im Alter von 92 Jahren starb. Das junge Paar bezog sein Haus an der Waldstraße. 1954 kam die Tochter Ursula zur Welt. Die Liebe zu ihrer Heimatstadt und das Interesse an der Geschichte ließ Ria Fischer zeitlebens nicht mehr los. Mit ihrem exzellenten Gedächtnis war sie eine hochbegabte Erzählerin, war eine Förderin der Verschwisterung mit Buchsweiler, in guter Tradition durch die Geschichte der Grafen von Hanau-Lichtenberg. 1980 hat Ria Fischer den Heimat- und Geschichtsverein mit gegründet. Ab dem 1. August 1983 war sie, aufgefordert vom damaligen Bürgermeister Norbert Schäfer, Hüterin des Stadtarchives im Burgmannenhaus geworden. Sie nahm ihr Amt sehr ernst. In mühevoller Arbeit und mit Unterstützung ihres Mannes integrierte sie die Stadtteilarchive. Im Jahre 2006 gab sie das Amt ab. Am 28. November 2007 wurde ihr in Gießen für diese Tätigkeit aus der Hand von Staatsminister Udo Corts der Hessische Archivpreis überreicht.

 

Bereits am 28. September 1990 war sie mit der silbernen Verdienstmedaille der Stadt Babenhausen geehrt worden. Im April 2006 überreichte ihr der damalige Landrat Alfred Jakoubek den Ehrenbrief des Landes Hessen und nannte sie das „stadtgeschichtliche Sprachrohr der Stadt Babenhausen“. Knapp drei Wochen vor ihren 87. Geburtstag wurde sie 2012 zur Ehrenbürgerin der Stadt Babenhausen ernannt. Dabei betonte sie: „Ich bin stolz, Babenhäuserin zu sein mit allen Vor- und Nachteilen, die man uns nachsagt.“ Sie habe gute und schlechte Zeiten erlebt, sie habe die Bombenangriffe an Weihnachten auf Babenhausen erlebt und die gesetzeslose Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Und es seien bessere Zeiten gekommen. „Wir haben es überstanden, aber wir haben es nicht vergessen.“ wi.

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